Multifunktionsroboter Gustav Unger

News aus dem Netzwerk

Transhumanismus in Dresden

Prof. Dr. Lorenz Sorgner ist Bioethiker und Transhumanist. Er vertritt einen „nietzscheanischen Transhumanismus“ und glaubt, dass der menschliche Geist auf Festplatte gespeichert werden kann. (Hier im Video, Minute 18-21). Im August 2017 erscheint erstmals seine Zeitschrift zum Thema Posthumanismus. Im Oktober 2016 erscheint sein neues Buch: Transhumanismus - "die gefährlichste Idee der Welt"!? Am 20.12.2016, (18.30-20.00 Uhr) präsentiert Sorgner sein Konzept an der TU Dresden.

Die Popularisierung der Philosophie?

Eine ganze Diskussion zur "Popularisierung der Philosophie" im Philosophie-Magazin "Hohe Luft". Es wäre schön, eine Diskussion wie die zwischen dem Heidegger-Herausgeber Peter Trawny und dem Hohe-Luft-Chefredakteur Thomas Vasek über Tage hinweg online verfolgen zu können. Auf Trawnys These, die Philosophie liefe Gefahr, sich durch ihre zunehmende Popularisierung selbst abzuschaffen, antwortet Thomas Vašek, Philosophie sei doch für alle da und solle sich nicht auf elitäre Scheindiskurse beschränken. Jeder kann etwas anderes aus dieser kleinen, vorzeigbaren Online-Debatte entnehmen, daher hier die Links direkt zu den drei Beiträgen: Die Philosophie muss ihre Popularisierung reflektierenWir brauchen keine geschützten Denkwerkstätten und außerdem: Philosophie hat keine Voraussetzungen zu akzeptieren!

Gehackte Autos, Roboter die Schafe hüten und die Chirurgie im Cyberwar?

Autonom fahrende Autos werden teils als vielversprechend betrachtet. Es gibt aber die Gefahr des Auto-Hackens (auch mit Blick auf autonom fahrende Autos), es ist außerdem schwierig Schadsoftware zu entschärfen. Zur Automatisierung generell: Es gibt schon einen Roboter der Schafe hüten kann aber selbst chirurgisch genutzte Roboter werden gehackt. Wer denkt eigentlich noch darüber nach, was passieren kann wenn die Technik versagt bzw. nicht ausgereift ist

Fangt sie alle!

Aktuell ist ein besonderes Phänomen auf dem Radar aus dem Bereich Augmented Reality und Social Media: Pokemon Go! Das Jugendspiel macht den Hype massenfähig und die sozialen Medien werden unmittelbar zu einem Teil des Phänomens. Insgesamt könnte man sagen: ein Phänomen mit großem Suchtpotenzial und gewissen Risiken oder: wenigstens gehen die Kinder mal zum Spielen an die frische Luft...

Call for Abstracts

Die Austrian Association for Science and Technology Studies organisiert einen Workshop über Kastenhofer, Karen ‘COMMUNITY AND IDENTITY IN CONTEMPORARY TECHNOSCIENCES’. Die Outline für Vorträge sollte bis 16. September 2016, mit 500 Worten (inkl. Autor, Titel, Argument und Outline) eingesendet werden an Dr. Karen Kastenhofer (Institute of Technology Assessment/Austrian Academy of Sciences). Der Workshop ist von 16-18 Februar 2017 in Wien. (mailto: kkast@oeaw.ac.at)

Literatur und Links

Spektrum Spezial Biologie/Medizin/Hirnforschung 3/16

Unsere Sinne - Forscher entdecken bislang verborgene Eigenschaften, die unsere leibbezogene Definition mentaler Fähigkeiten (nicht Gehirn - fixiert) unterstützt. Ein weiteres Spektrum Spezial Physik, Technologie zu Zukunftstechnologien erscheint ebenfalls. Nach Prüfung senden wir die genaueren Literaturangaben im nächsten Rundbrief.

Arun Sundararajan: The sharing economy

Das Buch ist eine aktuelle Empfehlung vom MIT. Der Autor beobachtet die Entstehung einer Ökonomie des Teilens als kein modernes revolutionäres, sondern als ein klassisches Konzept mit neuem technischem Anstrich. Der Crowd-Based-Capitalism scheint vorerst weiter auf dem Radar zu bleiben. Die Sharing Economy wird in jedem Fall auch beim MIT untersucht.

Nolen Gertz: Death by Robot: The Ethics of Turning Assistive Technologies into Assassins. ABC Religion and Ethics, 12 Jul 2016

Nolen Gertz betrachtet die Umnutzung eines Bomben-Spreng-Roboters in einen Menschen-Spreng-Roboter. Soldaten, die mit diesen Robotern normalerweise im Militärischen umgehen, scheinen eine Beziehung zu diesen Maschinen zu entwickeln. Diese Soldaten bekommen den Eindruck, einer ihrer "Kameraden" wäre durch die Polizei in Dallas zu einer Art "Suicide Bomber" geworden. Gertz versucht die Umnutzung technischer Objekte als ethisch und gesetzlich relevant darzustellen und widerspricht dem Juristen Orin Kerr, der den Fall als "legally interesting" bezeichnet.

Daniel Miller: Social Media in an English Village, UCL Press, 2016

Werden die sozialen Medien asozial? Soziale Medien bringen zumindest „das Soziale“ immer weiter in den Bereich der Ökonomie. Eine Betrachtung des Phänomens bietet die folgende Buchreihe. Social-Media-tauglich ist Social Media in an English Village auch als kostenloses White-Paper online verfügbar.

Robert Biel: Sustainable Food Systems – The Role of The City

Die Gesellschaft könnte eventuell auf die globale Nahrungsmittel-Problematik reagieren, indem sie traditionelle Kooperationen umstrukturiert. Der Autor stellt einige Schlüsselfragen des aktuellen Diskurses und liefert Forschungsansätze in Sustainable food Systems - The Role of The City.

Innovatives Sachsen. Hg. vom Freistaat Sachsen, März 2016

Sachsen gehört zu den innovativsten Regionen Europas: Die hier betriebene Forschung wird sich bald auf Alltag und Klima auswirken. Z.B. entwickelt die Firma Sunfire in DD eine Technologie, die Kohlendioxid und Wasser mittels erneuerbarer Energien in synthetische Brenn- und Kraftstoffe wandeln kann, die dann klimaneutral Autos, Schiffe und Flugzeuge antreiben könnten. Daimler in Kamenz, Thyssen-Krupp in Pleißa beschäftigen sich mit der Forschung zu emissionsfreiem Antrieb und die TU Chemnitz: entwickelt leichtere Materialien zur Energieeinsparung. Das Magazin bietet einen Überblick über innovierende Unternehmen und bahnbrechende Ansätze.

Delahaye, Jean-Paul (2016): Die Intelligenzformel. Künstliche Intelligenz – Computer vollbringen eine Vielzahl intelligenter Leistungen – doch stets auf anderen Wegen als der Mensch. Forscher suchen nun nach einer universellen Beschreibung von natürlicher und künstlicher Intelligenz. In: Spektrum der Wissenschaft: Gehirn & Geist 7/2016, 52ff

KI übertreffen Leistungen des Menschen nur bei speziellen Aufgaben, jedoch nie durch Nachahmung der menschlichen Intelligenz, weshalb sie auch zu deren Verständnis nichts beitragen. Auf der Suche nach einer universellen Intelligenz, die sowohl natürliche als auch künstliche Intelligenz erfasst, dabei aber gleichzeitig zu einem vom Menschen unabhängigen Begriff von Intelligenz kommen will, hat man dazu ein eigenes Forschungsgebiet und das frei zugängliche Journal of Artificial General Intelligence etabliert. Das Sparsamkeitsprinzip (Ockhams Rasiermesser) – das kleinste Verhältnis zwischen Erklärung und erklärten Daten – ist ein evolutionärer Vorteil. 

Es sollte deutlich gemacht werden, dass die Probleme, mit denen eine Software konfrontiert wird (sie sind von vornherein zugeschnitten auf ihre Berechnungsfähigkeit), ganz andere sind, als die der menschlichen Existenz. Zudem ist zu diskutieren, wie die von der Maschine selbstentwickelten Zielentwürfe zu bewerten sind. In welchem größeren Rahmen sind sie verankert, auf welches Ziel hingeordnet? Insgesamt scheint der Vielschichtigkeit der Intelligenz- sowie des Handlungsphänomens in dem Konzept der AGI zu wenig Rechnung getragen zu werden.

Gelitz, Christiane (2016): Interview mit einem Cog. Computerlinguistik – Kognitive Systeme von Google & Co. entschlüsseln die Bedeutung von Sprache mit statistischen Methoden und künstlichen neuronalen Netzen. Als nächstes sollen sie lernen, Geschichten zu verstehen. In: Spektrum der Wissenschaft: Gehirn & Geist 09/2016, S. 42ff.

Computerlinguistik: Mittels „Deep Learning“ in mehrschichtigen künstlichen neuronalen Netzen werde Maschinen nun die Bedeutung menschlicher Sprache vermittelt.Während die erste Phase der Computerlinguistik (ab den 50ern) syntaktisch geprägt, also der Analyse von Satzelementen gewidmet war, wird in der zweiten, der semantischen Phase versucht, in semantischen Netzwerken mittels Knoten und Kanten Bedeutung zu konstruieren. In den 60ern begonnen, in den 80ern von Minsky weitergeführt, entwickelte das „Natural Language Processing“ zwar künstliches intelligentes Verhalten (IBMs Watson, Apples Siri), doch „die Programme wissen nicht, was sie tun.“ Um die bezeichneten Dinge zu verstehen, müssen sie in einen Gebrauchskontext gestellt werden, wozu praktisches Erfahrungswissen nötig sei. Diese pragmatische dritte Phase des Natural Language Processing werde ihren Höhepunkt womöglich Ende des 21. Jhs. erreichen. Doch droht auch Missbrauch, wenn kognitive Systeme immer besser unsere Vorlieben und Einstellungen herauslesen.

Aktuelle Tagungen

Roboter, Interfaces und Aktanten-Netzwerke

Die Professur für Technikphilosophie lädt am 17. und 18. September, am Campus der TU Dresden, zu dem Workshop "Menschliches Handeln und autonome Aktantensysteme bei Robotern, Interfaces und Aktanten-Netzwerke" ein. Der Workshop behandelt unter anderem die funktionale Abbildung der menschlichen Psyche für die Automatisierungs- und Regelungstechnik, Interfaces und Akteursnetzwerke zwischen Mensch und Maschine, die Grenzen der Transrationalität im Kontext der Robotertechnik und er stellt die Wiederholung des Triebes bei Menschen der Wiederholung des Inputs bei Robotern gegenüber. Organisiert wird der Workshop in Kooperation der TU Wien und der TU Dresden. Anmeldungen bitte per Anfrage an kontakt@netphiltech.org.

Leben als Algorythmus? Esc Del Shutdown Reboot!

Vom 30.09.2016 bis zum 02.10.2016 gibt es in Köln (Alte Feuerwache) eine Tagung mit dem Thema "Big Data - Leben ist kein Algorythmus – Esc Del Shutdown Reboot". Die Themenauswahl und Zielausrichtung scheint vielversprechend und besticht durch ihren unkonventionellen Praxisbezug – nicht zuletzt, da viele Entwicklungen aus der Internetszene nicht akademisch/elitär geprägt werden.

Die Welt der Artefakte aus Ingenieursperspektive

Der Arbeitskreis philosophierender Ingenieure und Naturwissenschaftler lädt vom 25. - 27. November 2016 nach Enkirch an der Mosel ein. Titel der Aphin II 2016 Tagung:Welt der Artefakte. Der Tagungsband wird im kommenden Jahr veröffentlicht. Hier eine Zusammenfassung der Vorträge und Abstracts.

Apokalypse No! Ethikverband der Wirtschaft betrachtet die „Schöne neue Welt“

Die Giordano Bruno Stiftung und der Ethik Verband der Deutschen Wirtschaft lädt ein an die Goethe Universität in Frankfurt. Das Frankfurter Zukunfts-Symposium 2016 ist am 29.-30. Oktober 2016 unter dem Titel “Schöne neue Welt?“. Gefeatured werden Themenblöcke wie „Apokalypse No!“, „Virtuelle Realitäten und intelligente Roboter“, „Die Würde des Menschen ist … ungeklärt“. Eine kostenlose Voranmeldung genügt für die Teilnahme!

Ausblick

Forschungsansätze der Professur für Technikphilosophie der TU Dresden in den kommenden vier Semestern

Seit letztem Semester existieren unter anderem Arbeitsgruppen zur „Hypermodernen Technologie“ und „Computermodellierung“. In den folgenden Semestern lädt die Professur für Technikphilosophie zu Masterseminaren zu folgenden ein: Epistemologie der frühen Computerwissenschaften bei Johannes von Neumann, Norbert Wiener, Alan Turing. Die Behandlung geschieht vor dem Hintergrund der Ansätze von Fleck und Polanyi sowie von Husserl, Heidegger, Wittgenstein und Merleau-Ponty. Der Zusammenhang von implizitem und expliziten Wissen wird ein zentrales Forschungsthema der kommenden 4 Semester sein. Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Pragmatismus unter besonderer Berücksichtigung des 18. Jahrhunderts. Forschungsansätze ergeben sich aus Humes Skepsis, Kants Opus Postumum, dem Commonsense und der Schulphilosophie sowie des Göttinger Eklektizismus und Empirismus. „So konkretisiert sich der Plan einer Abrundung meiner akademischen Bemühungen um die Philosophie“, erklärt Irrgang.

Ein Leben und der aktuelle Trend in der AI-Forschung

Einer der Gründungsväter der AI, Marvin Minsky reflektiert sein Arbeitsleben. Das Interview wurde von Will Knight vom MIT Technology Review aufgenommen und bietet in vier Minuten einen kompakten Einblick. Noch mehr gibt es hier zum Sprachverständnis von Kognitiven Systemen unter folgendem Link.

Bild: Gustav Unger